GF42.45-P-0001B Elektronisches Stabilitäts Programm (ESP) Funktion 11.5.99

TYP  129 mit MOTOR 112, 113 mit CODE (472a) Electronic-Stability-Program (ESP)
TYP  170, 202,
  203 bis 31.7.01,
  208, 215, 220 / (ausser , 220.08 /18) mit CODE (472a) Electronic-Stability-Program (ESP)
TYP  210 mit MOTOR 111, 112, 113, 605, 606, 611, 612, 613 mit CODE (472a) Electronic-Stability-Program (ESP)
TYP  210 / (ausser 210.08 /28) mit CODE (472a) Electronic-Stability-Program (ESP)


Das " Electronic-Stability-Program" (ESP) ist ein aktives Sicherheitssystem zur Verbesserung der Fahrzeug-Stabilität in allen Fahrsituationen.

Es arbeitet durch individuellen Bremseneingriff an einem oder mehreren Rädern der Vorder- oder Hinterachse. ESP stabilisiert das Fahrzeug bei Kurvenfahrt, beim Bremsen oder beim Rollen ohne Antrieb und hält es sicher in der Spur.

ESP ergänzt die bekannten Funktionen des Antiblockiersystems (ABS), der Antriebs-Schlupf-Regelung (ASR) und der Motor-Schleppmoment-Regelung (MSR).

Die Stabilitätsregelung ist mit seiner Funktion den Regelsystemen ABS und ASR übergeordnet. Neben dem aktiven Bremseneingriff von ESP wird auch auf das Motor-Getriebe-Management Einfluss genommen.

Das Electronic-Stability-Program (ESP) beinhaltet folgende Systemzusammenhänge.

ABS verhindert das Blockieren der Räder beim Bremsen und erhält dadurch Lenkbarkeit und Fahrstabilität bei der Fahrzeugverzögerung aufrecht.
  ASR verhindert das Durchdrehen der Antriebsräder im Fahrbetrieb. Es bewirkt zusätzlich verbesserte Fahrstabilität bei erhöhtem Traktionsvermögen über den gesamten Geschwindigkeitsbereich.

MSR vermindert Bremsschlupf der Antriebsräder im Schubbetrieb und sorgt für Fahrstabilität.

ESP verhindert das Ausbrechen beim Über- oder Untersteuern des Fahrzeugs. Es sorgt in allen Situationen dafür, dass das Fahrzeug nicht von dem vom Fahrer vorgegebenen Kurs abweicht (im Rahmen der physikalischen Grenzen). Dazu werden zur Korrektur gezielt Bremskräfte an einzelnen Rädern erzeugt.



Systemzusammenhänge
Zur Einstellung des Antriebsmoments wird die Motorelektronik (ME) herangezogen. Über dieses System wird eine Motorregelung von Drosselklappe und Zündzeitpunkt vorgenommen.

Zur Berechnung der ESP-Antriebsmoment-Regelung wird auch die Gangstufe von der Elektronischen-Getriebe-Steuerung (EGS) verwertet.

In der ESP-Elektronik des Bremsregelkreises sind die Funktionen ABS und ASR enthalten. Bei folgenden Fahrzeugen ist auch die BAS-Funktion enthalten (Stand 2/02):
Typ 129 mit Motor 112, 113
Typ 202 mit Motor 111, 112, 113, 605, 611
Typ 210 mit Motor 112, 113, 605, 606, 611, 612, 613
Typ 210 mit Motor 111 ab 08/99
Typ 170, 203, 208, 215, 220
In der Hydraulikeinheit ESP sind auch die ABS- und ASR-Grundkomponenten zusammengefaßt.

Im Motorsteuergerät ist die Funktion für das elektronische Fahrpedal (EFP) und für die Geschwindigkeitsregelanlage (Tempomat) enthalten.

Über eine CAN-Datenleitung findet ein Datenaustausch zwischen dem Steuergerät ESP, dem Motorsteuergerät und ggf. mit dem Getriebesteuergerät und dem Steuergerät BAS statt.





  Vorteile ESP
Verbessert das Anfahr- und Beschleunigungsvermögen durch erhöhte Traktion; besonders vorteilhaft auf unterschiedlich griffiger Fahrbahn und in Kurven.

Erhöht die aktive fahrdynamische Sicherheit, da nur ein nicht durchdrehendes Rad optimalen Vortrieb ohne Verlust an Seitenführung ermöglicht.
Passt das Motordrehmoment automatisch den jeweiligen Übertragungsmöglichkeiten der Räder auf die Fahrbahn an, wenn der Fahrer zuviel Gas gibt.

Verringert die Schleudergefahr unter allen Fahrbahnbedingungen durch automatische Stabilisierung beim Bremsen, beim Beschleunigen oder beim gleichmäßigen Dahinrollen.

Verbessert die Spurstabilität des Fahrzeugs bei Kurvenfahrt deutlich - bis in den Grenzbereich.

Verkürzt den Bremsweg in Kurven oder auf Fahrbahnen mit glatter Oberfläche.

Eine blinkende Warnleuchte im Tachometer signalisiert dem Fahrer ESP-Regelbetrieb und informiert darüber, daß er sich mit seinem Fahrzeug der fahrphysikalischen Grenze genähert hat.


  Über einen Schalter ESP OFF kann eine ESP- oder ASR-Abschaltung erfolgen, die durch die ständig aufleuchtende Warnleuchte im Tachometer erkannt wird. Bei Tiefschnee oder aufgelegten Schneeketten kann dadurch eine bessere Traktion (Fräswirkung) erzielt werden.

Funktionsübersicht
Grundsätzlich wollen alle Kräfte, die auf ein Fahrzeug von außen einwirken, das Fahrzeug um den Schwerpunkt drehen, gleichgültig ob es einseitig wirkende Brems- oder Antriebskräfte oder Seitenkräfte sind.
 
Das Electronic-Stability-Program (ESP) erfaßt das Fahrzeugverhalten und steuert zur Korrektur gezielt Bremskräfte an einzelnen Rädern ein.

Beispiel A: Untersteuerndes Fahrzeug (in Linkskurve)
Das Fahrzeug schiebt über die Vorderräder nach außen.
Es erfolgt ein genau berechneter Bremseneingriff am linken Hinterrad.

Beispiel B: Übersteuerndes Fahrzeug (in Linkskurve)
Das Fahrzeug bricht mit dem Heck aus.
Es erfolgt ein genau berechneter Bremseneingriff am rechten Vorderrad.

a gewünschte Fahrtrichtung
b gebremstes Rad
c erzeugtes Korrekturmoment des Fahrzeugs
d untersteuernde Fahrzeugbewegung
e übersteuernde Fahrzeugbewegung
   
    P42.45-0203-02   P42.45-0204-02

ESP regelt:
bei Kurvenfahrt (Fahrzeug unter- oder übersteuert)
bei Geradeausfahrt (Fahrzeug weicht wegen ungleicher Straßenverhältnisse vom Kurs ab)

Um diese äußerst präzisen Regeleingriffe vornehmen zu können, ist eine gegenüber der ASR erweiterte Sensorik erforderlich.
Man unterscheidet:
1.) Sensoren, die den Fahrerwunsch erkennen
Lenkwinkelsensor
Fahrpedalstellung (Drosselklappenstellglied)

2.) Sensoren, die das tatsächliche Fahrzeugverhalten messen
Drehgeschwindigkeitsensor
Querbeschleunigungssensor
Bremsdrucksensor
Raddrehzahlgeber

Im Steuergerät ESP (N47-5) werden die Raddrehzahlen, der Lenkwinkel, die Fahrzeugdrehgeschwindigkeit, die Querbeschleunigung und der Bremsdruck der Vorderachse erfaßt und verarbeitet.

  Das Steuergerät ESP (N47-5) ist über einen CAN-Datenbus mit den Steuergeräten des Motor-Getriebemanagement verbunden. Diese digitale Leitungsverbindung ermöglicht einen schnellen Datenaustausch zwischen dem Steuergerät ESP, Motorsteuergerätund Getriebesteuergerät.
Das Steuergerät ESP (N47-5) ist ständig mit den aktuellen Daten über Motordrehmoment, Fahrpedalstellung und Getriebeübersetzung versorgt.
Über den Drehgeschwindigkeits- und Querbeschleunigungssensor werden die Kräfte erkannt, die das Fahrzeug um den Schwerpunkt drehen wollen.
Durch die aufgeführte Werterfaßung lassen sich die Längs- und Querkräfte an den Rädern berechnen.
Überschreiten diese Werte bestimmte Regelschwellen, so werden über das Steuergerät ESP (N47-5) die entsprechenden Magnetventile, sowie die Hochdruck-/Rückförderpumpe in der Hydraulikeinheit angesteuert um gezielt definierten Bremsdruck an einem oder mehreren Rädern einzuregeln.





Gleichzeitig werden über den CAN-Datenbus Befehle an das Motor- und Getriebesteuergerät weitergeleitet. Zur Antriebsmomentreduzierung werden berechnete Werte für Drosselklappenstellung und Zündzeitpunkt vorgegeben, sowie ggf. eine Rückschaltung verhindert.

Der gezielte und genau dosierte Eingriff vollzieht sich innerhalb weniger Sekundenbruchteile.

Aktiver Bremseneingriff und die Antriebsmomentreduzierung von ESP sorgen für die optimale Fahrzeugstabilität.

Dabei laufen folgende Vorgänge ab:

ESP-Bremsmomentregelkreis
ABS-Regelung
Neigt z. B. ein Rad zum Blockieren, so wird der Bremsdruck in dieser Radbremse geregelt. Die Regelung in der Hydraulikeinheit ESP (A7/3) erfolgt über die Magnetventile durch die Regelphasen Druckaufbau, Druckhalten und Druckabbau.

  ESP-Bremsmomentregelkreis
ASR-Regelung
Zum Abbremsen des durchdrehenden Rades wird über ein Drucksystem in der Hydraulikeinheit der Bremsdruck in den Bremssattel der Hinterachse geleitet (Druckaufbau).
Dadurch kann das andere Rad optimale Antriebskraft übertragen (Sperrdifferentialwirkung).
Über Magnetventile in der Hydraulikeinheit ESP (A7/3) wird das Bremsmoment durch Druckaufbau, Druckhalten, Druckabbau geregelt.











ESP-Antriebsmomentregelkreis
ASR-Regelung
Um ein zu großes Antriebsmoment abzubauen und dadurch optimale Traktion zu erzielen, erfolgt über den CAN-Datenbus zwischen dem Steuergerät ESP und dem Motorsteuergerät eine Antriebsmomentreduzierung.
Im Steuergerät ESP wird ständig geprüft, ob z. B. infolge plötzlich verbesserter Fahrbahngriffigkeit die Regelfunktionen aufgehoben werden können, um so früh wie möglich das vom Fahrer über das Fahrpedal vorgegebene Antriebsmoment wieder zuzulassen.

ESP-Antriebsmomentregelkreis
MSR-Regelung (nicht bei Motoren mit Kraftstoffabschaltung)

Tritt bei Gasrücknahme ein Bremsschlupf an den Antriebsrädern auf, so wird dies ebenfalls im Steuergerät ESP erkannt. Das Signal wird über den CAN-Datenbus an das Motorsteuergerät gemeldet. Mit dieser Information wird durch Erhöhung des Antriebsmoments der Bremsschlupf reduziert und dadurch die Seitenführung des Fahrzeuges erhöht. Dieser Vorgang erfolgt ohne Fahrerinformation (Warnleuchte ESP).
  ESP-Brems- und Antriebsmomentregelkreis
ESP-Regelung
Wird ein Über- oder Untersteuern erkannt, so wird über das Steuergerät ESP und die Hydraulikeinheit ein berechneter Bremseneingriff an Vorder- oder Hinterachse ausgeführt. Dieser Bremseneingriff wirkt gezielt dem ungewünschten Fahrverhalten entgegen.
Durch ein Signal über den CAN-Datenbus zum Motorsteuergerät wird die bedarfsgerechte Antriebsmoment-Reduzierung durch Motormoment-Rücknahme erreicht.

Hinweise zum Abschleppen   AH42.00-P-0001-05B
Hinweise zur Prüfung von Elektronischen Bauteilen und Systemen auf Unfallschäden   AH42.00-P-0001-06B
  Elektronisches Stabilitäts Programm (ESP) Fahrerinformation Typ 129, 140, 170, 202, 208, 210 GF42.45-P-0001-04A
    Typ 215, 220 GF42.45-P-0001-04B
    Typ 203 GF42.45-P-0001-04PP
  Elektronisches Stabilitäts Programm (ESP) Anordnung der Elektrikbauteile Typ 129 GF42.45-P-0001-03L
    Typ 170 mit Motor 111, 112 GF42.45-P-0001-03K
    Typ 202 mit Motor 112, 113, 604
Typ 208 mit Motor 112, 113
GF42.45-P-0001-03E
    Typ 202 mit Motor 111, 605, 611
Typ 208 mit Motor 111
GF42.45-P-0001-03G
    Typ 203 GF42.45-P-0001-03PP
    Typ 210 GF42.45-P-0001-03D
    Typ 215, 220 GF42.45-P-0001-03F
  Elektronisches Stabilitäts Programm (ESP) Anordnung der Hydraulikbauteile Typ 129
Typ 202 mit Motor 112, 113, 604
Typ 208 mit Motor 112, 113
Typ 210
GF42.45-P-0001-02C
    Typ 203 GF42.45-P-0001-02PP
    Typ 170
Typ 202 mit Motor 111, 605, 611
Typ 208 mit Motor 111
GF42.45-P-0001-02D
  ESP Bremsmomentregelkreis Funktion Typ 129, 210
Typ 202 mit Motor 112, 113, 604
Typ 208 mit Motor 112, 113
GF42.45-P-2000B
    Typ 170
Typ 202 mit Motor 111, 605, 611
Typ 203
Typ 208 mit Motor 111
GF42.45-P-2000D
    Typ 215, 220 GF42.45-P-2000C
  ASR Antriebsmomentregelkreis Funktion Typ 170
Typ 202 mit Motor 111, 605, 611
Typ 208 mit Motor 111
GF42.40-P-2100A
    Typ 203 GF42.40-P-2100PP